Mit PSD2: Zugang zum heiligen Gral

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Anfang 2018 wurden in Deutschland die Vorgaben der Europäischen Union zur Payment Services Directive 2 (PSD2) in Gesetze gegossen. 2019 wird es für die Banken ernst. Dieses Jahr laufen für die Finanzinstitute die Fristen ab, nach denen diese zur Bereitstellung entsprechender Schnittstellen verpflichtet sind.

Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie in Version 2 soll das Banking innerhalb der Europäischen Union grundlegend verändern. Kernpunkt ist die Zulassung von Drittanbietern in der Interaktion von Bank und Kunde. Damit sind zumeist Fintechs gemeint, denen ein regulierter Zugang zum Heiligen Gral, der Infrastruktur und den Kundendaten der Banken, gewährt werden soll.

Die EU erhofft sich davon eine europaweite Vereinheitlichung und Vereinfachung der Zahlungsdienstleistungen sowie aus Kundensicht mehr Wettbewerb und Sicherheit.

Bis jetzt blieb die europäische Bankenindustrie von den vielbeschworenen Disruptionen weitgehend verschont. Besonders im Zahlungsverkehr sind Bargeld und Kartenzahlung weiterhin das Maß aller Dinge – trotz PayPal und dem überschaubaren Erfolg deutscher Dienstleistungen wie giropay, paydirekt und Kwitt.

In Schweden ist Swish dagegen sehr erfolgreich und in den Niederlanden gelingt gleiches mit iDEAL. Die Banken hielten bis jetzt das Datenmonopol fest in den Händen. Sie hatten oft exklusiven Zugang zu den Kundendaten und konnten diese nutzen, um entsprechende Dienstleistungen zu verkaufen.

Mit PSD2 wird dieser Markt nun geöffnet. Die Banken verhalten sich abwartend bis skeptisch angesichts der neuen Herausforderungen. Nur ein kleiner Teil begreift die Richtlinie als Chance, das Geschäftsmodell hinsichtlich des digitalen Zahlungsmarktes neu auszurichten.

Dabei kommt mit den APIs eine digitale (Flut-)welle auf die Banken zu, die wesentlich größer werden könnte, als sie am Horizont erscheint. Die realen Auswirkungen werden sich im Laufe der Zeit zeigen, aber es ist klar, dass die EU mit der Direktive eine strategische Neuausrichtung der Märkte anpeilt. „Overbanked“ wird damit sicherlich der Vergangenheit angehören.