JAX 2022 – Zurück zu den Wurzeln

Nach zwei langen Jahren erscheint alles wie früher: Es ist Frühling und die JAX in Mainz ruft. Drei Tage spannende Konferenz mit vielen Sessions, wieder vor Ort mit allen Freiheiten und doch auch virtuell für alle Daheimgebliebenen.

Insgesamt waren deutlich weniger pure Tech-Themen zu sehen, in denen die letzten Winkel eines Frameworks ausgeleuchtet werden. Stattdessen standen Architektur-Vorträge, realitätsnahe Einordnungen zu Hypes wie Microservices oder Eventbasierten Systemen und globale IT-Trends im Vordergrund. Es scheint, die Branche hat ein bekömmliches Maß an Erdung seit dem letzten Jahr erfahren.

Live-Coding auf hohem Niveau

Mein persönliches Highlight bot die Eröffnungs-Keynote des zweiten Tages. Jan-Christoph Schlieker und Jan Thewes von der Finanz Informatik präsentierten ihren Vortrag zum Thema „Enterprise-Cloud-Native – Fast-pace Development & Deployment im hochsicheren Bankenumfeld“.

In einer Live-Demo konnten die Kollegen in der Kürze der Zeit recht eindrücklich zeigen, wie es gelingen kann, auch in großen, unübersichtlichen und legacy-beladenen Software-Umfeldern, schnell und leichtgewichtig Entwicklungsumgebungen aufzusetzen, darauf dann Cloud-Native Services zu entwickeln und On-Demand zu deployen. Mehr als nur ein Fingerzeig.

Und wer eine Keynote vor versammelter Mannschaft im großen Konferenzsaal in eine erfolgreiche Hands-On Live-Coding Session verwandeln kann, dem gebührt ohnehin schon ein großer Respekt.

Der heilige Graal

Es gibt darüber hinaus interessante Entwicklungen im erweiterten Java-Bereich. Das Schicksal hört wohl auf den Namen GraalVM. Ob man rückblickend wird sagen können, dass „die GraalVM einen Durchbruch darstellt, dessen Auswirkung auf die Softwareentwicklung im Moment noch nicht abschätzbar ist“, bleibt abzuwarten.

Wir schließen uns aber dem Votum an, dass „Oracle damit die Grundlage für die nächsten zwanzig Jahre Softwareentwicklung mit Java gelegt haben dürfte“. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis alle Frameworks dieser Welt das umsetzen – aber wenn sie es dann können, gibt es keine Gründe mehr dies nicht auf den hochskalierten Produktionsumgebungen der Zukunft einzusetzen.

Diese Entwicklung ist vor allem im Hinblick der Kostenentwicklungen in Cloud-Umgebungen nicht zu unterschätzen. Die großen Digitalkonzerne rechnen nach genutzten Ressourcen ab und viele Unternehmen stellen aktuell fest, dass ihre neue Cloud-Infrastruktur viel kostenintensiver ist als das alte Rechenzentrumsmodell.

Kein Sprecher, keine Interaktion

Bei der insgesamt sehr guten Organisation der Konferenz gab es dieses Mal doch eine Auffälligkeit, der wir skeptisch gegenüberstehen. Die Möglichkeit (und deren Ausnutzen), dass die Speaker nicht mehr vor Ort sind und physisch auf der JAX erscheinen, könnte auf Dauer ein Problem für dieses Veranstaltungsformat werden. Warum ist man selbst in Mainz und schaut auf einen großen Bildschirm, wenn der Sprecher nicht am Orte vorträgt? Die JAX als Public Viewing Event?

Auch wenn man theoretisch chatten und mit digitaler Symbolik hantieren kann – es kam aus unserer Sicht keine wirkliche Interaktion im physisch-virtuell verteilten Publikum zustande. Die Feedbackschleife wird durch die Abwesenheit der Bühnenfigur und die Medienbrüche verunmöglicht. Wir hoffen sehr, dass die Veranstalter dort Fingerspitzengefühl walten lassen und diese Digital Speaker Sessions entweder im etablierten Rahmen belassen oder vorab deutlicher kennzeichnen.