Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Wenn Wörter wie A.I., Henry Kissinger und Eric Schmidt die Vorderseite eines Buches als Textgrafik schmücken, dann weiß der Verlag um die Wirkung dieser Aufmachung. Im 21. Jahrhundert wird die lange Geschichte der Künstlichen Intelligenz (KI) fortgeschrieben. Dieses Buch ist hinsichtlich der geopolitischen und gesellschaftlichen Relevanz des Themas ein wegweisendes Frühwerk.

Die Suche nach „künstlicher Intelligenz“ beim bekanntesten Online-Handelshaus listet mehr als 50.000 Buchtitel. „The Age of AI and Our Human Future“ ist einer davon – geschrieben von einer illustren Autoren-Troika. Kissinger, der lange die amerikanische Außen- und damit die Weltpolitik mitbestimmt hat; Schmidt, der fast 20 Jahre die Geschicke von Alphabet und Google lenkte. Und, Daniel Huttenlocher, Dekan des Schwarzman College of Computing am MIT – sie verleihen dem Werk gewiss eine authoritative Note.

Die Höhe der Investitionen in Künstliche Intelligenz spricht dabei für sich: Die jährlichen globalen Risikofinanzierungen für KI-Startups sind von 3 Milliarden US-Dollar in 2011 auf 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 gestiegen.

Mehr als die Hälfte entfällt auf US-Firmen, etwa ein Viertel auf chinesische. Mehr als sechs Dutzend KI-Startups haben Bewertungen von über einer Milliarde US-Dollar und entwickeln Anwendungen in allen Bereichen der Gesellschaft, von selbstständigen Robotern im Haushalt über Anwendungen im Gesundheitswesen bis hin zu Projekten von nationaler Sicherheit.

In den nächsten zehn Jahren wird KI an vielen wissenschaftlichen Entdeckungen bis hin zu neuen Formen der Kriegsführung beteiligt sein. Die Autoren schreiben ihr nicht nur eine Schlüsselrolle zu, sondern sehen in ihr den unvermeidlichen und alles integrierenden Rahmen für das menschliche Leben im dritten Jahrtausend.

Sie hat bereits die größten Schachspieler der Welt übertroffen und es wird nicht lange dauern, bis die KI-Algorithmen die sichersten Autofahrer, die besten medizinischen Diagnostiker und die produktivsten Künstler sind. Alles, was KI-gesteuert werden kann, wird KI-gesteuert werden.

Vom Glauben, der Vernunft und Algorithmen

Die Autoren spannen einen großen Bogen in der Geschichte, angefangen von der Antike über die Renaissance und industrielle Revolution bis hin zu den neuesten technologischen Fortschritten.

Das Zeitalter der Aufklärung hatte eine Freiheit des Denkens hervorgebracht, wie man sie sich im Mittelalter nicht (mehr) vorstellen konnte. In unzähligen intellektuellen Debatten wurden überkommene Weisheiten und tief verwurzelte Dogmen auf den Kopfgestellt. Die rationalen, Vernunft geleiteten Einsichten ergänzten das Geistesleben.

Mit dem Aufkommen der computergetützen Informationsverabeitung befindet sich die Menschheit wiederum im Paradigmenwechsel. Glaube und Vernunft werden zwar auch im Zeitalter der KI bestehen bleiben, aber um maschinenbetriebene Formen der Logik erweitert.

„Wenige Epochen der Weltgeschichte waren derart von komplexen strategischen und technologischen Herausforderungen begleitet, bei denen es so wenig Konsens über den Umgang mit ihnen gab, bis hin zur Diskussion über das erforderliche Vokabular“, schreiben die Autoren.

Die Ankunft der heutigen Maschinen, die mehr können, als mit rasender Geschwindigkeit zu rechnen – die selbständig Schlussfolgerungen ziehen, um ein Gesicht zu erkennen oder ein Gespräch in natürlicher Sprache führen – wirft vollkommen neue Fragen über deren Einsatz auf: "Die Auswirkungen sind real und signifikant. Wie wir sie angehen, wird sich auf die Art und Weise auswirken, wie Menschen mit Maschinen koexistieren."

Ein interessanter Aspekt der KI ist, dass sie im Gegensatz zu Menschen keine Absicht, Moral, Motivation oder Emotion besitzt. Wie sich das gesellschaftlich auf Jahrhunderte alte Vorstellungen von nationaler Sicherheit und staatlicher Souveränität auswirkt, wird sich in den nächsten Jahrzehnten zeigen: „KI besitzt ein unberechenbares Potential, welches die strategischen Beziehungen zwischen politischen Rivalen beeinflussen und Konflikte verschärfen könnte."

Bis dato gilt noch der bekannte Ausspruch, dass Prognosen schwierig sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Die künstliche Intelligenz würde dem wohl hinzufügen, dass es erstens anders kommt und zweitens, wenn man denkt.

The Age of A.I. and Our Human Future

Henry A. Kissinger, Eric Schmidt, Daniel Huttenlocher

Verlag: Hodder And Stoughton
Seitenzahl: 272
Sprache: Englisch

ISBN: 978-1-5293-7598-5