
Ein Kleinod in Hannovers Nordstadt
Man muss schon genauer hinsehen. Der rotgeklinkerte Bau an der Appelstraße sticht hervor – und doch ist er vielen Hannoveranern nie wirklich aufgefallen. Jahrzehntelang versteckte sich hinter der imposanten Backsteinfassade ein mit Technikgeräten vollgestopftes Werkstattgebäude der Maschinenbauer. Abgerockt und heruntergekommen. Damit ist es jetzt endgültig vorbei.
Am 26. März 2026 wurde der zweite und letzte Bauabschnitt des „Königlichen Pferdestalls" feierlich eingeweiht. Universitätspräsident Prof. Volker Epping und Projektleiter Prof. Erich Barke begrüßten die Förderer und Unterstützer im nunmehr vollständig sanierten Kommunikationszentrum der Leibniz Universität – und schlossen damit ein Kapitel, das 2006 mit ersten Überlegungen begann und sich als weit steiniger erwies, als es die Beteiligten geahnt hatten.
Vom Ulanenregiment zum Uni-Campus
Die Geschichte des Gebäudes reicht zurück ins 19. Jahrhundert. Errichtet als Pferdestall für die Reiterstaffel des 1. Hannoverschen Ulanenregiments, das zwischen Callin- und Appelstraße stationiert war, ist der zweigeschossige Klinkerbau mit seinen 12,5 mal 77 Metern das letzte erhaltene Gebäude der einstigen Militäranlagen in diesem Bereich. Konzipiert haben ihn die Baumeister Karl Friedrich Heinrich Habbe und Eduard Schuster – beide Absolventen der Polytechnischen Schule Hannover, der heutigen Leibniz Universität. Ein schöner Zufall der Geschichte: Ihre Alma Mater hat das Werk der ehemaligen Studenten für sich zurückgeholt.
Nach der militärischen Nutzung ging der Backsteinbau in den Besitz der Hochschule über und diente lange als Versuchs-, Lehr- und Institutsgebäude. Der Blick in den markanten Innenraum mit seiner imposanten Kreuzgewölbedecke auf gusseisernen Stützen verschwand hinter Labortechnik und Werkbänken.
Ein Professor wird zum „königlichen Bettler"
Es war Erich Barke, der die Vision hatte. Als Universitätspräsident von 2005 bis 2014 stieß er die Idee an, den denkmalgeschützten Bau in ein Kommunikations- und Begegnungszentrum zu verwandeln – nach dem Vorbild der Faculty Clubs großer internationaler Universitäten, von Oxford bis Stanford. Ein Ort für Vorträge, Konzerte, Empfänge, Absolventenfeiern. Dazu eine mediterrane Gastronomie und oben ein Bereich zum Diskutieren und Netzwerken.
In der angelsächsischen Welt finanzieren wohlhabend gewordene Alumni solche Projekte ganz selbstverständlich. In Deutschland, und erst recht in Hannover, musste Barke feststellen: Das ist schwerer. Also putzte der emeritierte Professor Klinken. Unermüdlich, jahrelang. So beharrlich, dass Margit Harting vom gleichnamigen Technologieunternehmen bei der Einweihung schwärmte: „Dies ist der königliche Pferdestall. Und Sie, Herr Barke, sind der königliche Bettler."
Erster Akt: Festsaal und Architekturpreis
Der erste Bauabschnitt konnte im Mai 2019 eröffnet werden. Im Erdgeschoss entstand ein Vortrags- und Kammermusiksaal für rund 150 Personen, dazu ein offenes Eingangsfoyer. Im Obergeschoss wurden Seminarräume und Büros eingerichtet. Die Berliner Haberland Architekten gingen dabei behutsam mit der historischen Substanz um: Die Patina des Mauerwerks blieb erhalten, die alten Futtertröge sind noch sichtbar, und sogar die Metallringe, an denen einst die Zügel der Pferde hingen, stecken nach wie vor in den Mauern. Für diese gelungene Verbindung aus Denkmalschutz und moderner Nutzung gab es den „Best Architects Award".
Rund 5,6 Millionen Euro flossen in diesen ersten Abschnitt – zur Hälfte aus Spenden und Sponsorengeldern, die andere Hälfte trug die Universität im Rahmen der Bauunterhaltung. Unter den Förderern: HDI, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, enercity, die Klosterkammer Hannover, Lenze, die Familie Harting, Talanx, Bahlsen und zahlreiche Privatpersonen wie die ehemalige Marketingprofessorin Ursula Hansen und Sigrid v. Berlepsch-Valderà.
Zweiter Akt: Sieben Jahre Stolperfallen
Was dann kam, war ein Geduldsspiel. Von 2019 bis 2026 vergingen weitere sieben Jahre für den zweiten Bauabschnitt. Es gab weit mehr Stolperfallen als Baufortschrittserfolge. Die Kosten für das Gesamtprojekt kletterten von 3 auf rund 8 Millionen Euro. Ein Aufzug für die Barrierefreiheit musste frei neben dem denkmalgeschützten Gebäude platziert werden – Kostenpunkt: rund 500.000 Euro. Barke nahm es mit Humor. Aufgeben war keine Option.
Die Erleichterung war ihm bei der Einweihung am 26. März anzumerken, als er in seinem humorvollen Baubericht allen Beteiligten dankte – seiner Frau, und vor allem den Sponsoren. Prof. Epping stellte seinerseits die Pläne vor, den heutigen Parkplatz vor dem Pferdestall zu einem hochwertigen Uni-Campus auszubauen. So wird der Königliche Pferdestall nicht nur ein Einzeljuwel bleiben, sondern zum Herzstück eines neuen Campusbereichs in der Nordstadt.
Früher Tierstall, jetzt menschliche Begegnungstätte
Als Nachbar und Förderer der Sanierung freuen wir uns als FSS MANAGEMENT über dieses geschichtsträchtige und hochwertige Gebäude, das nun als Kommunikationszentrum der Leibniz Universität dienen wird – und ein würdiges Element des Uni-Campus darstellt. Ein neues Kleinod der Nordstadt ist entstanden.
Das Ehepaar Barke hat als Team die 20 Jahre Projektlaufzeit der Gesamtsanierung durchgehalten. Die Innenarchitektin Heidemarie Barke hat großen Anteil an der detailgetreuen Restaurierung der historischen Innenräume. Diese Beharrlichkeit und die hohe Qualität ihrer Baubegleitung sind außergewöhnlich und bewundernswert.
Hannovers Nordstadt sagt Danke, Danke.
Bildquelle (Galeriefotos):
Leibniz Universität Hannover, Referat für Kommunikation und Marketing
Fotografen: Clemens Born, Michael Matthey