Was ist neu am E-Geld der Zentralbanken?

Inhaltsübersicht:

Das Projekt mBridge

Parallel dazu hat sich seit der Veröffentlichung des Whitepapers „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ in 2009 eine ausdiffenzierte private Kryptoindustrie entwickelt, die dezentrale Übertragungen von elektronischen Geldwerten abbilden kann, ohne dass dabei eine dritte Instanz als Vermittler zwischen den beiden Vertragsparteien steht.

Die diesen Vorgängen zugrundliegende Verfahren beruhen auf Distributed Ledger Technology, bei der Finanztransaktionen in einer Datenbank auf einem weltweit verteilten Computernetzwerk dokumentiert werden. Die auch als Blockchain bekannte Datenhaltung verwendet zur Absicherung des Netzwerks unter anderem konsensbasierte Validierungsverfahren und kryptografische Signaturen.

Obwohl es derzeit unwahrscheinlich ist, dass Bitcoin oder andere Blockchain-Projekte die vorhandenen Staatswährungen verdrängen werden, haben sie die Lebensfähigkeit der zugrunde liegenden Distributed-Ledger-Technologie bewiesen.

Mit der Vorstellung des BIS-Projektes mBridge liegt nun eine Lösung in der Pilotphase vor, die die vorgenannten Ansätze zusammenführt und den Aufbau einer digitalen Multi-Währungs-Plattform für internationale Zahlungen vorantreibt. Federführend bei diesem Projekt sind die folgenden fünf Institute:

  • BIS Innovation Hub Hong Kong Centre
  • Digital Currency Institute der People's Bank of China
  • Hong Kong Monetary Authority
  • Bank of Thailand
  • Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate

Dieser Prototyp mehrerer digitaler Zentralbankwährungen (mCBDCs) demonstriert das Potenzial der Verwendung elektronischer Währungen auf DLT-Basis für die kostengünstige Echtzeit-Bereitstellung von grenzüberschreitenden Zahlungen und Abrechnungen. Zentralbanken können damit ihre eigenen tokenisierte CBDC-Verbindlichkeiten für ihre Zahlungssysteme ausgeben. Diese CBDCs können nur innerhalb des mBridge-Netzwerks verwendet werden.

networks correspondent banks mcbdcDie schematische Darstellung illustriert den Netzwerkeffekt.
(Bildquelle: Inthanon-LionRock to mBridge, September 2021, S. 30+31)

Diese Tokenisierung erfolgte auf Basis des von ConsenSys entwickelten Hyperledger Besu unter Verwendung von Universal Token-Standards, die die Funktionalität des Ethereum-Standards ERC-20 erweitern. Beispielsweise ist mit dem ERC-1400 Security Token Standard eine Brücke zwischen Krypto- und Fiat-Werten gebaut worden, der Funktionen für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften beinhaltet sowie Informationen zur Auflage, den Eigentumsverhältnissen oder der Zugangskontrolle bereitstellt.

Einer der Vorteile dieser Single-Ledger-Implementierung besteht darin, dass die Übertragungen von Token, die von verschiedenen Zentralbanken ausgegeben werden, keine komplexen Sperrmechanismen erfordern. Für Systeme, bei denen Token auf separaten Ledgern ausgestellt werden, müssen komplexe Transaktionen wie Hash-Timelock-Verträge erstellt werden. Komplexe Cross-Ledger-Anordnungen sind dadurch fehleranfälliger.

Der mBridge-Prototyp wurde auf einer Virtual Private Cloud-Architektur mit mehrstufigen Sicherheitsabfragen bereitgestellt. Das Blockchain-Netzwerk und die Anwendungen werden in einer AWS T3-Instanz (bei Amazon) gehostet, die private Subnetze verwenden. Da das Internet der Zugangspunkt für die Bankkunden ist, erfolgt der gesamte Zugriff über das Content Delivery Network der Amazon CloudFront.

mBridge ist aktuell nur eins von knapp 70 aktiven CBDC-Projekten. Gemäß dem CBDC-Tracker des Atlantic Councils prüfen aktuell 81 Länder die Einführung von CBDCs, die insgesamt 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (GDP) herstellen. Fünf Länder davon haben bereits eine digitale Zentralbankwährung eingeführt. 14 weitere Länder, darunter China, Südkorea und Schweden befinden sich mit ihren CBDC-Projekten in der Pilotphase.

Sollte die mBridge-Architektur in dieser oder abgewandelter Form eine Chance zum weltweiten Einsatz bekommen, müssen sicherlich noch wesentliche Aspekte des Datenschutzes erörtert werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Zentralbanken mit diesem Prototyp die "absolute Kontrolle aller Nutzungsregeln" ausüben können. Das ist sicherlich der wichtigste Aspekt, der das traditionelle Bargeld von den CBDCs unterscheidet.