Was ist neu am E-Geld der Zentralbanken?

Inhaltsübersicht:

Konten oder Token?

CBDCs beleuchten in dem Zusammenhang die Rolle von Zentralbankgeld neu und werfen Fragen zum Umfang des direkten Zugangs zu Zentralbankkonten und der Gesamtstruktur des Finanzmarktes auf.

Traditionell haben Zentralbanken aus verschiedenen Gründen dazu tendiert, den Zugang zu (digitalen) kontobasierten Formen von Zentralbankgeld auf Banken und in einigen Fällen auf bestimmte Finanzinstitute oder öffentliche Institutionen zu beschränken. Dagegen ist physisches Zentralbankgeld, also Bargeld in der Öffentlichkeit weit verbreitet.

Grundsätzlich wollen Zentralbanken drei Eigenschaften mit der Ausgabe ihrer Währungen etablieren:

  • Effizienz als Tauschmittel (medium of exchange)
  • Sicherheit als Wertaufbewahrungsmittel (store of value)
  • Stabilität als Rechnungseinheit für wirtschaftliche Transaktionen (unit of account)

Der Ausschuss für Zahlungen und Marktinfrastrukturen (CPMI) und das Markets Committee (MC) des BIS definieren CBDC als „digitale Form von Zentralbankgeld, die sich von Salden traditioneller Reserve- oder Abwicklungskonten unterscheidet“. Die auf dieser Basis im Jahr 2019 vorgeschlagene Taxonomie der G7 Working Group on Stablecoins unterscheidet drei neue Arten von CBDC, die je nach Zugriffsberechtigung und verwendeter Technologie variieren.

Diese drei Arten sind:

  1. Konten bei der Zentralbank für die Öffentlichkeit
  2. Digitale „Bargeld“-Token, die von der Öffentlichkeit verwendet werden
  3. Digitale Token, die nur von Finanzinstituten verwendet werden (z.B. für Interbanken- und Wertpapierabwicklungen)

types of cdbc(Bildquelle: G7 Working Group on Stablecoins, Oktober 2019, S.29)

Die an der Stanford Universität ansässige Hover Instition hatte sich im Vorfeld an der Diskussion beteiligt und folgende Merkmale für das Design von CBDCs für die Öffentlichkeit vorgeschlagen:

CBDCs via Kontoeröffnung bei der Zentralbank:

Unternehmen und Verbraucher halten ihr Geld elektronisch auf CBDC-Konten bei der Zentralbank vor, analog zum Vorgang der Debitkonten bei Geschäftsbanken. Bei diesem Ansatz bucht die Zentralbank jeden Zahlungsvorgang durch Belastung des Zahler-Kontos und Gutschrift auf dem Empfänger-Konto um.

Der Vorteil des kontenbasierten Systems besteht darin, dass CBDC-Zahlungen zeitgleich und kostengünstig erfolgen können. Natürlich müsste bei der erstmaligen Erstellung jedes CBDC-Kontos die Identität des Kontoinhabers anhand von Verfahren überprüft werden, wie sie bei der Eröffnung eines Geschäftsbank-Kontos angewendet werden.

Ab diesem Zeitpunkt könnten jedoch Zahlungstransaktionen schnell und sicher durchgeführt werden (z. B. durch zweistufige Verifizierung mit Handy und digitaler PIN). Die Zentralbank wäre damit in der Lage, ungewöhnliche Aktivitäten zu überwachen und zusätzliche Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung zu ergreifen.

CBDCs via Tokenausgabe

In der zweiten Designvariante gibt die Zentralbank CBDC-Token analog zu Bargeld aus, die elektronisch zwischen Privatpersonen und Unternehmen zirkulieren und nur wieder an die Zentralbank zurückgezahlt werden. Die Zentralbank würde das Angebot an CBDC-Token nominell festlegen und die Token als gesetzliches Zahlungsmittel einführen.

Wie bei den privaten Kryptowährungen würde dieser Ansatz eine Form der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) verwenden, um die Eigentumskette jedes Tokens zu überprüfen und Zahlungstransaktionen zu validieren, ohne dass die Zentralbank oder eine andere Clearingstelle direkt beteiligt sind.

Ob die CBDC-Token direkt von den Zentralbanken an die Öffentlichkeit ausgegeben werden oder über speziell ausgewiesene Konten bei beaufsichtigten Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt werden, muss für jedes Projekt separat entschieden werden. Die Studie von Deloitte belegt, dass jede Jurisdiktion unterschiedlich mit diesen Herausforderungen umgeht und CBDCs im Einklang mit ihren politischen Zielen entwickelt.

Schließlich müssen die CBDC-Token nicht darauf abzielen, das Zahlungssystem zu monopolisieren, sondern könnten stattdessen die Zahlungsdienste privater Unternehmen ergänzen. Damit würden Einzelpersonen und Unternehmen weiterhin frei entscheiden können, Gelder bei privaten Institutionen zu halten und Zahlungen über private Netzwerke und virtuelle Währungen zu tätigen.