Mit PSD2: Zugang zum heiligen Gral

Inhaltsübersicht:

Die wichtigsten Eckdaten

Die erste Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD1) schuf ab 2009 die Grundlage für einen paneuropäischen Binnenmarkt für den Zahlungsverkehr, unter anderem wurde der SEPA-Standard eingeführt.

Die stetige Transformation dieses Marktes, vor allem hinsichtlich der zunehmenden Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, machte eine Überarbeitung der Richtlinie notwendig. Es wird so versucht, Lücken zu schließen und Marktentwicklungen nach dem Inkrafttreten der PSD1 zu berücksichtigen.

Mit PSD2, gültig seit dem 13. Januar 2018, soll einer steigenden Anzahl an Akteuren Rechnung getragen und eine weitere Harmonisierung der zum Teil sehr unterschiedlichen Auslegung in den Mitgliedsländern erreicht werden.

Vollständig abgeschlossen wird der Prozess frühestens im September 2019, wenn alle beteiligten Institute ihre Compliance mit den technischen Anforderungen der PSD2 sicherzustellen haben.

Wen es betrifft – PISP, AISP und Banken

Der entscheidende Teil der Neufassung der Richtlinie ist die standardisierte Einbeziehung von Drittanbietern in die Kommunikation von Banken und Kunden.

Diese Drittanbieter teilen sich in zwei Klassen auf. Beide haben Zugriff auf die Kunden- und Kontodaten und können somit ihr eigenes Interface nutzen, um diese den Kunden bereitzustellen. Sie unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise des Zugriffs auf die Daten.

Kontoinformationsdienste (AISP – Account Information Service Provider) sammeln für ihre Nutzer die Informationen ihrer Bankingaktivitäten und bereiten diese auf.

Hier geht es primär um einen lesenden Zugriff, der die Informationen für den Nutzer weiterverarbeitet. Der Nutzer kann verschiedene Kontenaktivitäten im Überblick behalten, ohne dafür mit der Bank zu interagieren. Dazu dürften z.B. Buchhaltungssysteme wie Debitoor oder Billomat zählen.

Zahlungsauslösedienste (PISP – Payment Initiation Service Provider) können selbst Überweisungen über ihren eigenen Dienst auslösen und nutzen dafür die Banken-Infrastruktur. Mit diesem schreibenden Zugriff ist die Bank bei Zahlvorgängen nur Dienstleister im Hintergrund, die Customer Journey bleibt komplett dem Drittanbieter überlassen. Darunter fallen Dienste wie Klarna, das bereits selbst eine Bank ist oder Gini Pay.

Die Banken stehen damit vor der Entscheidung, sich in den Wettbewerb um einen direkten Kundenzugang zu begeben oder sich mit der Rolle eines eingeschränkten Anbieters von Bankdienstleistungen abzufinden.