Internet 2020: Spionage, Sabotage und Datendiebstahl

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Angriff auf sensible Daten

Der erst kürzlich am Berliner Kammergericht bekannt gewordene Raubzug von Justizdaten offenbart das zwischenzeitliche Schadensausmaß. So ergab das forensische Gutachten des IT-Dienstleisters T-Systems, dass die Angreifer „höchstwahrscheinlich in der Lage gewesen“ sind, den „gesamten Datenbestand des Kammergerichts zu exfiltrieren“.

Damit haben die Eindringlinge Zugriff auf Informationen von am Kammergericht verhandelten Prozessen, also auch Namen von Beklagten, Klägern, Gerichtspersonen, Zeugen sowie verdeckten Ermittlern und Informanten. Das Berliner Kammergericht ist unter anderem für Terrorprozesse zuständig, die Daten sind höchst sensibel.

Emotet ist aber nur die sichbarste Spitze im digitalen Dauerfeuer. Insgesamt registrierte das BSI in 2019 rund 114 Millionen neue Schadprogramm-Varianten und über 110.000 Bot-Infektionen täglich – häufig auf Smartphones, Tablets oder IoT-Geräten. Allein in deutschen Regierungsnetzen wurden etwa 770.000 schädliche E-Mails abgefangen.

Die rund 3.000 von der Deutschen Telekom digital ausgelegten Honeypots gelten ebenfalls als ein guter Indikator für die Cybersicherheit. Im April 2019 verzeichnete die Telekom an einem Tag 46 Millionen Hackerattacken auf ihre Köder. Im Schnitt registriert das Telekommunikationsunternehmen 31 Millionen Angriffe am Tag. Noch im April 2017 wurden durchschnittlich „nur“ vier Millionen Cyberattacken gezählt. Pro Tag.

In Zeiten der digitalen Vernetzung zeigt sich die neue Qualität der Angriffe immer häufiger auch beim Identitätsdiebstahl. Weite Kreise zog hierbei kürzlich der Doxing-Vorfall, wobei Daten von Anwendern sozialer Netzwerke als „Collection #1–6“ öffentlich im Internet verfügbar wurden. Veröffentlicht wurden vor allem Kontaktdaten wie Handynummern und Adressen von prominenten Personen.

Außerdem befanden sich unter den via Twitter veröffentlichten Daten Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen, Privatadressen, Rechnungen und Briefe. Sogar private Chats und Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern sowie Skype-Namen von Kindern der Betroffenen wurden veröffentlicht.