GAIA-X: Fundament von Digitaleuropa?

Inhaltsübersicht:

Virtuelle Staaten mit Advanced Smart Services

GAIA-X baut auf existierenden technischen Standards auf und will Transparenz über das gesamte Daten- und Serviceangebot schaffen. Dabei garantiert es überall die Identität der Teilnehmer und lässt durch diese übergreifende Vernetzung neue Datenräume entstehen:

Das Dienstleistungsangebot will einen verlässlichen Rechtsrahmen für den Umgang mit sensiblen und schützenswürdigen Daten im digitalen Raum abstecken und betrifft insbesondere Bereiche von nationalem Interesse wie z.B. Industrie 4.0, Energie, Mobilität, Finanzwesen, Gesundheit, Agrar und den öffentlichen Sektor.

gaia x architektur

Mit GAIA-X bauen die europäischen Staaten im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften eine real-virtuelle Infrastruktur, bei der sie sowohl Anbieter als auch Kunden oder beides zugleich auf allen drei IT-Architekturebenen sind:

  1. Netzwerke: Datenübertragungsnetzwerke und Hardware
  2. Daten: Datenhaltungsebene inkl. Betriebssystemen und Datenbanken zur Speicherung von Daten
  3. Dienste: Datenverarbeitungs- und Nutzungsebene inkl. Anwendungssystemen, Funktionen und Diensten

Damit das Zusammenwirken der drei Ebenen geregelt ist, werden die GAIA-X Federation Services definiert, um Anbieter und Konsumenten rechtssicher und interoperabel zu verknüpfen. Das Aufgabenspektrum dieser GAIA-X Federation Services umfasst das:

  • Entwickeln einer Referenzarchitektur mit einem Verzeichnis aller Anbieter und Angebote (Federated Cataloque)
  • Definieren von Übertragungs- und Formatierungsstandards (Souvereign Data Exchange)
  • Vorgeben von Kriterien für ein föderiertes Identitäts- und Zugangsmanagement inklusive Vergabe von Zertifizierungen und Gütesiegeln (Identity & Trust).
  • Harmonisierung der Vorhaben mit gesetzlichen Vorschriften inklusive regelmäßiger Kontrollverfahren (Compliance).

Mit GAIA-X soll folglich sichergestellt werden, dass die Anbieter von Rechenzentren, Speicherlösungen sowie branchenspezifischen Cloud-und Edge-Systemen den Datenaustausch in einem verlässlichen Rechtsrahmen vornehmen können. Dafür ruht das Projekt auf vier Prinzipien: Portabilität, Interoperabilität, Interkonnektivität und Benutzerfreundlichkeit. Der aufzubauende Katalog soll die Dienste aller Anbieter auflisten und mit Bewertungsfunktionen ausstatten.

Dass dabei zunächst niemand ausgeschlossen wird – allen voran die datenhungrigen amerikanischen und chinesischen IT-Konzerne – überrascht nur auf den ersten Blick. Boris Otto, vorläufiger Technikchef der Organisation, bringt das Selbstverständnis auf den Punkt: "GAIA-X setzt quasi die Straßenverkehrsordnung. Auf den Straßen fahren sollen dann aber Speditionen und Busunternehmen."