Deutschland auf dem Weg zur Token-Ökonomie

Inhaltsübersicht:

5. Zusammenarbeit

Um den Austausch zwischen KMUs, Start-ups, Großunternehmen und weiteren relevanten Organisationen zu fördern, ruft die Regierung eine Dialogreihe zur Blockchain-Technologie ins Leben und bringt die Akteure im Rahmen der Digital Hub Initiative zusammen. Die Vernetzung bei Veranstaltungen soll dazu beitragen, Wissen über Best-Practices und Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Im Zuge dessen soll die Etablierung neuer, offener Kooperationsformen von Unternehmen und Bürgern mit Einrichtungen der Wissenschaft deutlich ansteigen. Dazu gehören Wissenschaftsprojekte wie "bloxberg" der Max-Planck-Gesellschaft und Unternehmenskooperationen z.B. im Rahmen von Fraunhofer Blockchain Labs. Der anwendungsbezogene Einsatz der Blockchain bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird mit Mitteln der institutionellen Förderung von Bund und Ländern durchgeführt.

Insbesondere für kleine Organisationen ist der Zugang zu Daten nach wie vor schwierig. Die Bundesregierung wird daher ihre bestehende Open-Data-Initiativen ausbauen. Mit der Mission „Neue Quellen für neues Wissen“ in der ressortübergreifenden Hightech-Strategie 2025 arbeitet sie zudem darauf hin, die Potenziale der Schlüsseltechnologien für die Wirtschaft nutzen, den innovativen Mittelstand zu stärken und Zahl der innovativen Start-ups zu erhöhen, z.B. mittels Förderprogrammen wie EXIST, INVEST oder dem High-Tech Gründerfonds.

Deutschland im Vergleich mit der Smart Nation Estland

Die Bundesregierung hatte ihre nationale Blockchain-Strategie im September 2019 vorgelegt. Dies hat viele Kommentatoren auf den Plan gerufen. Die digitale Verwaltung, die in Estland seit 20 Jahren entstanden ist, wird hierbei oft als Referenzbeispiel für fortgeschrittene Digitalisierung genannt.

Estland garantiert seinen Bürgern per Gesetz kostenlosen Zugang zum Internet. Die Digitalisierung des öffentlichen Lebens wurde seit 1997 kontinuierlich vorangetrieben und nahezu alle staatlichen Verwaltungsleistungen sind online für die Bürger Estlands verfügbar. Nur für Heiraten, Scheidungen und Grundstückgeschäfte muss man noch physisch erscheinen.

85 Prozent der Bevölkerung verfügen über einen Breitbandanschluss. 100 Prozent der Arztrezepte werden online ausgestellt und alle Schulen sind miteinander vernetzt. Via personengebundener e-ID können Bürger 600 e-Dienste abrufen: Vertragsunterzeichnungen, Bankgeschäfte, Abgabe der Wahlstimme oder schlicht Parkgebühren bezahlen. Alles digital.

Der papierlose Staat beinhaltet schon seit dem Jahr 2000 eine papierlose Regierung, die Sitze im Parlament und im Stadthaus von Tallinn sind mit Laptops ausgestattet. Abgestimmt wird per Mausklick. Nach jeder Parlamentsdebatte können die Esten den aktuellen Stand von Gesetzesentwürfen an ihrem Rechner ansehen und Verhandlungen über Staatsausgaben im Internet in Echtzeit verfolgen.

Die Bürger haben auch das Recht einzusehen, wer ihr e-ID Nutzerprofil aufgerufen hat – sie können im Zweifelsfall eine Erklärung verlangen, warum auf bestimmte Daten zugegriffen wurde. Für das Funktionieren der Systeme ist sicherlich auch die Größe des Projekts verantwortlich: in Estland leben ca. 1,35 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 45.000 km2. Die Regierung hat damit ungefähr so viele Bürger unter Aufsicht, wie die Stadtverwaltung München auf der Landesfläche von Niedersachsen.

Nach einem Jahr Umsetzungszeitraum hat der IT-Branchenverband Bitkom kürzlich eine Übersicht zum Umsetzungsstand der 44 Ankündigungen vorgelegt. Das Ergebnis vorweg: 17 Maßnahmen sind sehr weit fortgeschritten, 20 in Arbeit und 7 noch nicht angegangen.

Zur Halbzeit der nationalen Blockchain-Strategie wurden auch 32 weitere Städte in Deutschland zur Smart City ernannt. Die Digitalisierung der Kommunen wird mit insgesamt 820 Millionen Euro gefördert. Laut Bitkom Smart City Index 2020 dominiert Hamburg aktuell das nationale Digitalgeschehen.